Manchmal kann Gott so gnädig sein

Altes Paar auf einer Schaukel
Bildrechte: Claudia Peters

Die Andacht zum Anhören:

 

Manchmal kann Gott so gnädig sein. Wie bei Virginia und Noel. Die leben im US-Bundesstaat Kentucky und sind seit 73 Jahre verheiratet. Ihr schönstes Geschenk zum außergewöhnlichen Hochzeitstag vor ein paar Tagen war – dass sie an diesem Tag zum zweiten Mal gegen das Coronavirus geimpft wurden. Sie fuhren mit ihrem Auto zur Impfung vor und konnten beim Impfen darin sitzen bleiben. So ein Glück.

Jetzt können sie wieder tanzen gehen, die beiden jungen Alten. Das hatten sie am meisten vermisst: das Tanzen mit Bekannten. Wir freuen uns darauf, sagt der Ehemann, dass alle nun wieder normal leben können. Jetzt können wir wieder Square Dance machen und Spaß haben. Dabei reibt er sich die Hände und strahlt. Manchmal kann Gott so gnädig sein.

Und manchmal nicht, das wissen wir auch. Dann strahlt kein Mensch. Dafür aber laufen Menschen viele Tränen die Wangen herunter; und sie stellen sich und anderen schwere Fragen. Dabei hatte Gott uns doch durch den Propheten Jesaja (46,4) versprochen: Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet … ich will heben und tragen und erretten.

Davon merken Menschen aber oft nichts. Wie kann Gott nur?, fragen sie dann und stehen wie vor einem Rätsel – entweder wegen ihres eigenen Lebens und Leidens oder weil sie betroffen sind vom Leben und Leiden anderer. Dann scheint Gott nur weh zu tun; und er ist nicht zu begreifen.

Manchmal ist Glauben nur ein Aushalten. Gott ist uns oft ein Rätsel. An manchen Tagen ist alles so voller Schönheit. Dann könnte man, wie man so sagt, zerspringen vor Glück und Gnade. Dann erfreuen wir uns am Leben und an Menschen, die ihr Leben mit uns teilen. An anderen Tagen aber erschrecken wir und wissen nicht weiter. Dann leiden wir selber oder leiden mit anderen – und finden keine Antworten auf unsere Fragen. Wenn Gott wirklich Liebe ist, finden wir ihn längst nicht immer lieb. Wir haben dann keine Wahl – wir müssen es aushalten.

Damit wir in den dunklen Zeiten nicht verzweifeln, gibt es eine kleine Hilfe. Wir können uns, soweit uns das möglich ist, einfach ein wenig mit denen freuen, die manchmal ihre Gnade kaum fassen können. Das Glück der anderen muss uns nicht neidisch machen, sondern kann uns ein wenig aufbauen. Wie eben bei dem alten Ehepaar in den USA. Die tanzen jetzt wieder voller Freude. Dabei vergessen sie nicht, wie gut es Gott mit ihnen meint.  Und vielleicht machen uns die beiden nachdenklich und wir erinnern uns, dass Gott es auch gut mit uns meint. Und sie helfen uns, dass wir es nicht vergessen, wenn die Zeiten dunkel sind:  Gottes Gnade ist die Kraft, die uns durch dunkle Zeiten trägt.

Ich wünsche uns allen, dass wir Gottes Gnade immer wieder spüren können und  in unserem Leben und im Leben der anderen immer wieder sehen dürfen, wie gut Gott es mit uns meint.