Lebensmittel - Geschenke von Gott

Lebensmittel - Geschenke Gottes. Im Bild: eine Brotzeitplatte nach französischer Art
Bildrechte: Steve Biussinne

„Lebensmittel – Geschenke von Gott“

 

 

Jedes achte Lebensmittel wird weggeworfen, ist immer wieder zu lesen. Das ist viel; darüber kann man schon mal erschrecken. 52 Kilo Lebensmittel wirft jeder Mensch in einem Jahr weg.

Wer das hört oder liest, denkt vielleicht auch mal an den eigenen Kühlschrank und fragt sich: Mache ich das auch? Ja, jeder wirft wohl mal etwas weg. Ich weiß nicht, ob es bei mir jedes achte Lebensmittel ist. Ich weiß aber, dass ich manchmal zu viel einkaufe. Dies noch und jenes. Darauf habe ich mal Lust und das andere sieht auch schön aus. Da ist der Einkaufskorb schnell voll.

Dann aber esse ich doch nicht daheim, habe keinen rechten Hunger oder habe mich einfach in der Menge verschätzt. Und schon wird etwas schlecht.

 

Bei meiner Oma, erzählt mir ein älterer Bekannter, war das undenkbar. Sie wusste, was Hunger ist. Die letzten Kriegsjahre waren schlimm, die ersten im Frieden auch. Brot war der Oma heilig, sozusagen. Vieles andere auch. Es gab keinen Mangel in der Familie, es gab aber auch nie ein Zuviel. Und wenn doch, musste das gegessen werden, und wenn es drei Tage hintereinander war.

Die Oma, erzählt mir der Ältere, hatte ein Gefühl für Lebensmittel, das war es vielleicht. Jeder Schluck Milch, jedes Brot oder Gemüse war wie ein Stück vom lieben Gott persönlich. Das klingt vielleicht seltsam, aber es kam dem Mann früher so vor, wenn er mit der Oma zusammen war. Das Tischgebet war auch heilig. Butter war ihr so kostbar, dass sie nur „gute“ Butter hieß und selten auf dem Tisch stand. Und ein Weißbrot war das Zeichen für Sonntag, als wolle der liebe Gott dann auch mal schlemmen.

Das waren Zeiten, erinnert sich der ältere Mann aus der Zeit um 1950. Schön waren die Zeiten nicht. Aber etwas hat die Zeit bewirkt: Sie hat Menschen geprägt. Dass nie ein Hunger aufkam, dafür hat die Oma gesorgt. Es bleibt aber auch die Ahnung, was Mangel ist. Und Mangel prägt.

 

Auch ich selber habe heute ein schlechtes Gewissen, wenn ich Essen wegwerfe. Auf mich schauen sozusagen die Omas von früher. Und ihr Gefühl fürs Essen. Lebensmittel machen satt, einerseits. Zugleich aber sind sie ein Teil vom lieben Gott, ein Stück Schöpfung. Das haben die Omas von damals so nicht gesagt, aber sie haben es gefühlt. Ein frisches Brot war, als käme der liebe Gott selbst zu Besuch. Das Brot wurde gegessen, auch wenn es hart wurde. Es gab ja warme Milch zum Eintauchen.

Für heute kann man sich das kaum noch vorstellen: Merkwürdige Kombinationen von Lebensmitteln oder drei Tage hintereinander das gleiche zu essen, nur damit etwas nicht schlecht wird. Obwohl – mein Gewissen kann es sich sehr wohl vorstellen. Und es klopft an, wenn ich in der einen Hand ein Lebensmittel habe und mit der anderen im Begriff bin, den Abfalleiner zu öffnen. Womöglich könnte es gerade in der Fastenzeit eine gute Übung sein, den Umgang mit Lebensmitteln zu überprüfen. Ich soll mich davor hüten, sagt das Gewissen, zu viel wegzuwerfen. Und es erinnert mich daran, dass Achtsamkeit so wichtig ist wie Sattwerden.

 

Lied: Herr, gib uns unser täglich Brot (EG 464)

Herr, gibt uns unser täglich Brot. Lass uns bereit sein, in der Not zu teilen, was du uns gewährt. Dein ist die Erde, die uns nährt.

Herr, du bist unser täglich Brot. Du teilst dich aus in deinem Tod. Wir loben dich und danken dir. Aus deiner Liebe leben wir.

   

  (eingesungen von Kantor Arnd Pohlmann)

 

Gebet:

Gütiger Gott, du schenkst uns, was wir zum Leben brauchen: Nahrung und ein Zuhause.

Die Fürsorge von Menschen gibt uns Geborgenheit – auch im Schmerz.

Wir bekennen dir, dass wir nicht immer sorgsam genug mit dem umgehen, was du uns schenkst. Das reut uns dann auch.

Hilf uns, sorgfältig zu sein mit unserer Nahrung und dem, was wir einkaufen.

Lass uns nicht übersehen, was Mangel bedeutet, den viele Menschen haben.

Danke, dass du für uns sorgst, gütiger Gott.

Amen.