Himmel, Erde, Luft und Meer

Notenpaar: Menschen im Einklang einer Melodie
Bildrechte: Michael Becker

Die Andacht zum Anhören:

1. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

2. Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht; auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

Was für ein wunderbares Lied - und was für ein pfiffiges Piktogramm, das an einer Hauswand angebracht war. Die Köpfe der beiden Menschen sind miteinander verbundene Noten. Sie sind in einer gemeinsamen Melodie aufgehoben, die beiden Menschen. Man kann auch sagen: sie lieben sich; sie sind gut gestimmt, gut aufeinander eingestimmt.

Manchmal ist es so einfach, Liebe zu zeigen. Als einen gewissen Gleichklang zum Beispiel. Als Noten, die man gemeinsam singt. Im Duett. Manchmal ist Liebe ein füreinander Schwärmen. Wie der Dichter des Liedes, der über allen Maßen schwärmt.

3. Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

4. Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar. Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind.

Wer so dichtet, schwärmt wirklich. Vielleicht läuft er an einem warmen Maiensonnentag durch Wälder und Felder- es gab ja damals noch viel mehr davon - und ist überwältigt von der Schöpfung: von dem vielen Grün, dem Singen der Vögel, der Buntheit der Blumen. Dann sieht er den Schöpfer in seiner Schöpfung und preist ihn.

Der Dichter Joachim Neander - ihm verdanken wir auch den Text des berühmten Liedes „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ - war Lateinlehrer und Prediger in den ungeliebten Frühgottesdiensten um 05:00 Uhr in Bremen. In Bremen, wo er 1680 mit 30 Jahren starb. Das Neandertal bei Düsseldorf trägt den Namen des Dichters. Einige Jahre vor seinem Tod wirkte Neander an einer Lateinschule in Düsseldorf.

5. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf; von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr.

6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

Viele gehen davon aus, dass Neander einige seiner Lieder in eben diesem Tal gedichtet hat, jedenfalls dort das Schwärmen über die Natur lernte. Es ist ein Schwärmen, das aus dem unmittelbaren Blick kommt – gewissermaßen eine Theologie der Natur, die Gott in jedem Halm und in jedem Bach am Werk sieht. Das mag uns heute manchmal befremden. Wir sind, ob wir das wollen oder nicht, Kinder vieler Wissenschaften und fühlen uns Gott selten unmittelbar gegenüber, wenn wir auf einer Sommerwiese stehen.

Das sollte aber an dem Zauber nichts ändern, der uns manchmal ergreifen kann. Und am Schwärmen sollte es uns schon gar nicht hindern: Ach, mein Gott, wie wunderbar, stellst du dich der Seele da! Das ist ein glücklicher Seufzer. Und über nichts seufzen Menschen so gerne und so glücklich wie über die Liebe und die Geborgenheit, die sie erleben und fühlen. Fühlen, als seien sie wie Noten, die im Gleichklang einer schönen Melodie erklingen. Darauf dürfen wir hoffen: dass Gott uns mit seiner Liebe beglückt – auch in der Natur, die uns aufatmen lässt und in den Menschen, die sich uns zuwenden.

Das Lied zum Anhören: https://youtu.be/FQGs9BCrh5M