Eisheilige Seelenwärmer

Im Bild ist eine gelbe, mit Frost überzogene Blüte zu sehen. Sie erinnert an die Nachtfröste, vor denen die Eisheiligen warnen.
Bildrechte: Erich Westendarp auf Pixabay

Hier können Sie die Andacht anhören:

Gerade ist es wieder so weit. Die Gärtner stehen auf „Hab‘ acht“ - bereit, um alles abzudecken, was in den Beeten schon vorsichtig die Köpfchen in die Sonne reckt. Umsichtige Gartenfreunde und -freundinnen haben noch gar nichts nach draußen gesetzt oder gesät. Denn vom 11. bis zum 15. Mai kommen die Eisheiligen. Sie heißen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und kalte Sofie. Eisheilige, denn um diese Zeit kann es noch Nachtfröste geben. Man tut aber den Heiligen eigentlich Unrecht mit der Bezeichnung „Eisheilige“. Sie schicken die Fröste ja nicht, sondern warnen uns vor ihnen. Sie sagen: Passt auf, damit nicht alles stört wird, was ihr sorgfältig gepflanzt habt.

Mir fallen schon einige Situationen im Leben ein Komma in denen es ganz unerwartet eisig wird: wenn ein Unfall geschieht, wenn durch ein kleines Virus alles auf den Kopf gestellt wird, was wir gewohnt sind und was wir liebgewonnen haben, wenn eine schlimme Diagnose alles zerstört, was wir mit Mühe und Liebe aufgebaut haben. Solche und viele andere Situationen können ganz leicht unser Leben unerwartet mit Frost überziehen; so wie die Nachtfröste die Pflanzen und Bäume im Garten. Gerade hat man noch Sonnenstrahlen und erste Wärme genossen – und schon scheint sich eine kalte Hand ausgestreckt zu haben um uns in den Schatten zu ziehen.

Dann wünschte ich, so eine starke Truppe wäre da, um uns zu schützen und zu bewahren. Heilige, die sich versammeln und die Seele abdecken, um den schlimmsten Frost von ihr fernzuhalten – Seelenwärmer.

Aber vielleicht sind sie ja schon längst da, die Seelenheiligen. In Gestalt von fünf Kräften, die ebenso klingende Namen haben wie die Eisheiligen. Sie heißen: Stärke, Maß, Hoffnung, Glaube und Liebe. Diese 5 Kräfte werden groß, wenn sich in uns alles zusammenzieht, weil die große Kälte über uns hereinbricht. Sie sind unsere inneren Begleiter, die Gott uns an unsere Seite stellt und die zu uns kommen, wenn wir sie brauchen.

Ich stelle mir vor, wie sich die Stärke bei uns vorstellt. Selbstbewusst sagt sie: Ich bin die Stärke. Hab keine Sorge, wenn du schwach bist. Ich halte dich. Ich trage dich durch das Schlimmste hindurch. Die Kraft des Maßhaltens wirkt sehr korrekt, kommt aber freundlich daher. Mit einer liebevollen Strenge sagt sie: wir finden zusammen heraus, was du dir zutrauen kannst und was zu viel für dich ist. Während wir damit beschäftigt sind, unser Leben neu zu vermessen, gesellt sich die Hoffnung zu uns. Verschmitzt flüstert sie uns zu: Ich sehe `was, was ihr nicht seht. Auch, wenn ihr es euch jetzt noch nicht vorstellen könnt, ich weiß, dass es immer noch mehr gibt, als ihr denkt. Verlasst euch auf mich. Der Glaube kommt leise durch die Zimmertür zu uns und sieht uns in die Augen. Dann nimmt er unsere Hand und hält sie fest. Der Glaube muss nichts sagen, er berührt uns auf andere Weise. Und dann wird es plötzlich warm in unseren Herzen. Die Liebe ist da. Sie umhüllt uns und sagt zärtlich: wo auch immer ihr hingeht, ich komme mit euch. Und wenn ihr ankommt, bin ich schon da und schließe euch fest in meine Arme. Seelenwärmer: Stärke, Maß, Hoffnung, Glaube und Liebe. Und durch sie alle durch schimmert das Antlitz Christi und wir hören ihn sagen: Siehe ich bin bei euch alle Tage. Amen.